Vibration des filigranen Bildraums

Die deutsch Fotografin Stephanie Jung reist um die Welt, um die pulsierende und hektische Stimmung eines Ortes einzufangen. Motive wie Urbanität, Identität und Beschleunigung im Spannungsfeld kultureller Tradition stehen im Zentrum der einzigartigen Bilder aus Japan von Stephanie Jung. Dargestellt sind die täglichen Straße und Stadtansichten von Tokyo, Shibuya, Osaka und Nara, die weder wollen als oberflächliche Dokumentation der Natur, noch ein exotisches Lokalkolorit erscheinen. Ganz im Gegenteil, die Bilder gleichen präzisen Momentaufnahmen des urbanen Alltags, die bisher vor allem durch die Routine und ganz Fluss der Zeit geprägt haben scheint.

 

German photographer Stephanie Jung travels the world to capture the vibrant and hectic mood of a place. Motifs such as urbanity, identity, and anticipation placed at tension with cultural tradition stand at the center of the unique images of Japan by Stephanie Jung. Depicted are the everyday street and cityscapes of Tokyo, Shibua, Osaka, and Nara, which neither wish to appear as the superficial documentation of nature, nor an exotic local color. Quite the contrary, the images resemble precise snapshots of the urban everyday, which seems to have been particularly shaped by the routine and quite flow of time.

 

Vibration des filigranen Bildraums

Motivfelder wie Urbanität, Identität und Beschleunigung im Spannungsfeld kultureller Tradition stehen im Mittelpunkt der ungewöhnlichen Japan-Bilder von Stephanie Jung. Zu sehen sind alltägliche Straßen- und Stadtansichten von Tokyo, Shibuya, Osaka und Nara, die weder vordergründig dokumentarischer Natur sind, noch ein exotisches Lokalkolorit aufscheinen lassen wollen. Im Gegenteil, die Bilder gleichen präzisen Momentaufnahmen eines urbanen Alltags, der insbesondere durch sein gewohnheitsmäßiges Maß und seine ruhig dahin fließende Zeit geprägt zu sein scheint. Doch wird gerade diese sachliche Grundnote gekontert von einer ausgezeichneten bildnerischen Intervention der Fotografin. Direkt aus dem Alltagsgeschehen genommen, werden die Ansichten mit einer vibrierenden Textur aus graduellen Perspektivverschiebungen, bewusst eingesetzten Transparenzen und farbintensiven Kolorierungen überzogen. Die optische Dynamik, die dabei im Auge des Betrachters entsteht, gleicht einer kubistischen Volte, einem zeitlich verzögerten perspektivischen Auffächern des Augenblicks. Ein willkürlicher Moment im Stadtgeschehen wird gedehnt, das Motiv erscheint als vervielfachte und sich wiederholende Spur seiner selbst. Gerade diese dynamisch eingesetzte Vibration des Bildraums verleiht den Bildern einen ideellen, aber auch visuell überzeugenden Sinn. Sie erscheinen sehr individuell, denn es sind gerade jene unscheinbaren Strukturen wie Stromleitungen, Banner, Laternen oder Autofarben, die mit einem Mal zur Form avancieren und urbane Identität stiften. Dass sich die flirrende Textur in ihrer filigranen Struktur zudem als äußerst harmonisch erweist, scheint kein zufälliger Kommentar der Fotografin auf das Leben in Japan zu sein.

Stephan  Reisner

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier × zwei =