Stephan Erfurt: On the Road

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Autokino in den 80ern

Neben der Hauptausstellung “America 1970s/80s” stellt die Helmut Newton Foundation in Berlin 50 Fotografien von Stephan Erfurt aus. “On the Road” präsentiert Fotografien die in den 1980ern in den USA entstanden sind, zwischen New York und der Pazifikküste Kaliforniens. 

Das Fotografieren begann für Erfurt als persönliches Hobby. Er fotografierte 1980 Tänzer und Tänzerinnen des Opernballs in Wien und porträtierte später Straßenmusiker in den Metro Gängen in Paris. Er entwickelte eine Leidenschaft dafür und studierte deshalb parallel Fotografie an der Gesamthochschule in Essen. 

Im Anschluss begann seine weitere Reiselust und ein rastloses Leben. Er fotografierte die Straßen von New York und reiste durch das Land für intensiv recherchierte Reportagen in Miami, Las Vegas oder Los Angeles. Hauptsächlich beauftragte er das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Bilder und Bildgeschichten, Texte dazu erschienen meistens von Jordan Mejias. 

In Bildstrecken, wie die Wall-Street-Serie von 1985, angeregt durch Evelyn Hofer, nutzt er besonders die Lichtreflektionen der umliegenden Wolkenkratzer, Lichtpunkte oder Spuren und Strukturen in den Bordsteinen. Die Aufnahmen mit einem Polaroid Diafilm erstaunen besonders durch die leeren Straßen mit Parkenden Autos in harten schwarz-weiss Kontrasten. Im gegensatz dazu lässt er in seiner Fotoreihe der New Yorker restaurants Menschen in zeitlos- atmosphärischen Unschärfen verschwinden. 

leere Straße in der Wall Street, New York, 1985 von Stephan Erfurt
Wall Street, New York, 1985 © Stephan Erfurt
Las Vegas Motel mit Neonschriftröhren von Stephan Erfurt
Las Vegas, 1986 © Stephan Erfurt

Ab 1986 gab es Bilder von ihm dann auch in Farbe: eine zweite New York Restaurants Serie und damit auch die erste Veröffentlichung in dem FAZ-Magazin. Danach fotografierte er Miami in pastellfarbigen Art-Decos und mit deutlich kräftigeren Farben mit viel natürlichem Licht, sowie den künstlichen Neonlichtlampen der Motels und Spielhallen in Las Vegas. 

Er nutze die neuen gestalterischen Möglichkeiten der Farbfilme, wie die wenigsten anderen Kollegen, für unterschiedlichste Lichtsituationen. Seine frühen Twilight-Aufnahmen wurden dadurch zu einer Spezialität, ähnlich wie die Werke von Joel Meyerowitz aus den 70ern und 80ern mit intensiver Lokalfarbigkeit. 

Stephan Erfurt selber konnte sich immer perfekt auf die unterschiedlichsten Situationen und die entsprechenden Aufträge einstellen. Neben seinen Aufträgen für das FAZ-Magazin arbeitete er auch an freien Projekten, von denen auch einige unveröffentlicht blieben. So beispielsweise auch die Serie “Großstadtdschungel” die am Ende seiner Zeit in New York entstanden ist. 

Zum Mauerfall kehrte er wieder zurück nach Deutschland. In den fünf Jahren in Amerika war das das Land für ihn sein Schaffensort und sein Lebensmittelpunkt. 1999 endete für Erfurt seine Zusammenarbeit mit dem FAZ-Magazin, da es überraschender Weise eingestellt wurde. So gründete er mit zwei Gleichgesinnten einne neuen, zeitgemäßen Ausstellunsgort: Das C / O  in Berlin. Zusammen mit dem Museum für Fotografie bildet es ein einmaliges Fotoklaster in ganz Deutschland. 

Gäste im Restaurant in New York von Stephan Erfurt
Empire Diner, from the series: New York Restaurants, 1985 © Stephan Erfurt
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From the series: New York Bridges, 1988 © Stephan Erfurt