Facing Britain – Dokumentarfotografie des Vereinten Königreichs Großbritanniens

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Facing Britain

Die Kunsthalle in Darmstadt stellt mit der Überblicksausstellung “Facing Britain” erstmalig außerhalb von Großbritannien Werke beinahe aller wichtigen Vertreter*innen der britischen Dokumentarfotografie aus. Damit werden Einblicke in die besondere Entwicklung der Fotografie in England, Schottland, Irland und Wales, verflochten den Einflüssen Europas und Nordamerika, gegeben. Englands Dokumentarfotografie bildet einen wichtigen Teil Europas im Wandel in besonders facettenreicher, überraschender und künstlerisch origineller Weise ab. 

Die Dokumentarfotografie ist eine der Stärken der britischen Fotografie, jedoch galt die Fotografie bis in die 1980er Jahre in England nicht als autonome Kunstform. Während es schon 1955 und 1964 die ersten Fotokunstausstellungen im Museum of Modern in New York gab und in Deutschland 1972 die Fotografie als autonome Kunstform anerkannt wurde, stellten britische Fotografen ihre Werke erstmals 1885 in der Photographers Gallery und der Barbican Art Gallery aus. 

Facing Britain:

Die aktuelle Ausstellung Facing Britain in Darmstadt setzt einen besonderen Schwerpunkt gezielt auf die Dokumentarfotografie in den 1970ern und 1980ern von David Hurn, Tish Murtha, Daniel Meadows und Martin Parr. Laut Parr selber waren diese Jahrzehnte eine “prägende Zeit für die britische Fotografie, in der die Stärke der Dokumentarbewegung wirklich lebendig wurde.” 

Mit insgesamt acht Kapiteln zeichnet die Ausstellung ein einzigartiges Porträt einer vierteiligen Nation. Der zeitliche Rahmen wurde bewusst mit den ersten Versuchen Englands Teil der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ab 1963 zu werden, bis zum Austritt aus der Europäischen Union 2020 gewählt. Er beschreibt die verschiedenen Epochen, durch die England in diesem Zeitraum ging – vom Niedergang der Kohleindustrie, über die Thatcher-Ära mit dem Falkland Konflikt bis hin zum Brexit. Dabei wirkt das Jahr 2020 aufgrund der immer noch anhaltenden Corona-Pandemie, sowie die verstärkte Schwächung des Öffentlichen Raumes oder die getrennten Siegeszüge von Smartphones und Überwachungskameras, wie eine Zensur. 

Die Bilder der Ausstellung stehen für sich. Sie bezeugen Künstlerische Konzepte, vergegenwärtigen jüngere, wie auch jüngste Geschichte und fordern eine moderne Sichtweise auf das heutige vereinigten Königreichs – abseits von Klischees. Bereits das erste Kapitel der Ausstellung beschäftigt sich mit politischen Themen und Diskursen wie Ungleichheit und Identität. Weiter geht es mit Themen der Jugendarbeitslosigkeit, dem Niedergang der Bergbauindustrie, Gendergerechtigkeit, dem Brexit und Migration. 

Die Ausstellung Facing Britain kann man sich seit dem 04. September 2021 bis zum 09. Januar 2022 in der Kunsthalle Darmstadt ansehen.