Stammtisch 3

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60×60 cm, fine art print on hahnemühle 300g

edition 9 +1 ap, frames (dark wood) are possible but not included

Fotografie "Stammtisch 3" von Volker Schrank

Stammtische

Ein Tisch in einem Gasthaus: die Platte aus massivem Holz oder furniert; das pflegeleichte Resopal schon fast wieder verschwunden. Selten finden wir eine Decke darüber gebreitet und Blumenschuck gibt es so gut wie nie. An den Wänden dahinter hängen manchmal Bilder oder Fotografien, die längst vergessene Gäste oder Wirtsleute zeigen; oft auch Geweihe Krüge oder andere Devotonalien. Soweit ein Tisch wie andere. Wäre da nicht dieses Signet Stammtisch – ein Achenbecher, ein Wimpel oder ein schmiedeeisernes Schild, das den Tisch samt der Stühle und Bänke, die ihn umgeben, als besonderes Territorium im Gastraum markiert und nur für bestimmte Personen zugänglich erklärt. Aber was ist ein Stammisch?  Wir glauben es alle zu wissen; denn im deutschen Sprachraum werden dessen Bedeutungselemente wie Untersuchungen von Sprachforschern zeigen, überseinstimmend assoziiert. Männer, Bier und klare Worte– Vertrauen und Gemütlichkeit sind einige der Begriffe, die spontan genannt werden.

Volker Schrank legt keine nostalgische Dokumentation eines bedrohten Ortes gemütvoller deutscher Befindlichkeit und bürgerlichen Behagens vor. Stattdessen sehen wir menschenleere Interieurs, begrenzt auf das kontextuelle Minimum: Tisch und Stühle vor einer Wand – und ein Stammtisch-Schild. Dennoch erscheinen – vor unserem inneren Auge – die Akteure, die bald ihre Plätze einnehmen werden. Die örtlichen Honoratioren beispielsweise, eine heiter-verschworene Gesellschaft vielleicht im Geschacher um Macht und Aufträge in der Stadt. Wir wissen um die Lauten, die Leisen, die Rechthaber, die Schweiger, die Melancholiker und die stets vergnügten. Und so wie wir diese Runde sehen, so hören wir sie auch. Wir kennen deren Worte und deren ganz besonderen kommuniktaiven Stil. Denn “es ist”, wie der Kulturanthropologe Wolfgang Reinhard betont, “von zentraler Bedeutung für die politische Kultur, dass die Stammtische überwiegend alle Politiker für Gauner halten, hingegen mit den lokalen und nationalen Sportstars siegen und leiden”. Stammtisch – das ist das beharrliche Bemühen, einfache Antworten zu finden auf komplexe Fragen. 

Dr. Matthias Bullinger

Every Thursday at seven

A table in a tavern or inn: the top is made of solid wood or veneer; it’s easy-to-clean formica almost worn off. We rarely find a tablecloth covering it and flowers are practically non-existent. Sometimes there are pictures or photographs of long-forgotten guests or barkeepers on the walls behind the table, but often also antlers, pitchers or other devotional objects. In a sense, it is a table like any other. If there wasn’t that little sign Stammtisch [round table / regulars table] – an ash tray, a pennon, or a cast-iron sign, marking the table and its surrounding chairs and benches as a special territory, access only for certain persons. But what is a Stammtisch? We all think we know. According to linguistic research, the German-speaking countries all associate identical elements of meaning. Men, beer, and outspokenness – trust and sociability, are some of the terms that are mentioned spontaneously.

Volker Schrank does not provide a nostalgic documentation of an endangered site of sentimental German mental states and a middle class sense of comfort. Instead we see empty interiors without people, reduced to the contextual minimum: tables and chairs in front of a wall – and the Stammtisch sign. However, with our inner eye we see the protagonists soon to take their seats. Local dignitaries for example – a cheery conspiring group wheeling and dealing for power and city contracts. We know these kinds of people, the loud ones, the soft-spoken, the dogmatic, the silent, the melancholic and the perpetually cheery. The way we see these rounds, we also hear them. We are familiar with their words and their very particular communicative style. As cultural anthropologist Wolfgang Reinhard emphasizes “it is of central importance for political culture that Stammtische generally see politicians as crooks, yet they follow the successes and losses of local and national sports stars as their own.” 

Stammtisch – that is the persistent effort to find simple answers to complex questions.

Dr. Matthias Bullinger