Bilder über die gewesene Wirklichkeit

JÖRG SASSE: ARBEITEN AM BILD
Die DZ BANK Kunstsammlung widmet dem Fotokünstler eine Einzelausstellung

Wirklichkeit, Fotografie und Manipulation – “Was mich interessiert”, sagt Jörg Sasse, “ist der Punkt, an dem das autonome Bild an der Wand mit dem Verweis auf die gewesene Wirklichkeit trifft. Der Punkt, an dem man meint, etwas erkannt zu haben, das sich im nächsten Moment jedoch wieder entzieht.” In seinen Arbeiten hinterfragt der Künstler immer wieder das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Fotografie, die Manipulierbarkeit derselben sowie die Wahrnehmung des fotografischen Bildes.

Jörg Sasse 3570, 2010, (c) VG BILD-KUNST Bonn, 2013

Seit Beginn der 90er Jahre dienen auch vorgefundene Amateurfotografien aus Nachlässen und von Flohmärkten als Ausgangpunkt für seine Arbeit am Bild. Analoge wie auch digitale Vorlagen, die aus allen Lebensbereiche stammen, werden am Computer bearbeitet. Sasse vollzieht damit durch unterschiedliche Eingriffe, von simpel bis komplex, eine Aneignung des Ausgangsmaterials. Dies kann durch die Wahl des Ausschnitts, neue oder veränderte Farbigkeit, das Schärfen oder Verunschärfen partieller Bildbereiche ebenso geschehen wie durch komplettes Herausarbeiten nicht benötigter Bildelemente, deren verbleibende Leerstellen dann wieder von Sasse neu gefüllt werden. Dabei entstehen autonome Bilder, die in ihrer Verbindung von Malerei und Fotografie, Abstraktion und Gegenständlichkeit Irritationen hervorrufen und mit Erinnerungen und Wahrnehmungsgewohnheiten spielen.

Jörg Sasse 7515, 1995, (c) VG BILD-KUNST Bonn, 2013 JPG | 999 KB

Eine starke formale Bestimmtheit der neu entstandenen Bilder steht dem ursprünglich Abgebildeten eigenständig gegenüber. Die visuelle Erwartungshaltung des Betrachters bricht sich an den Bildern Sasses, die sich einer gewohnten Zuordnung in Sehmustern entziehen. Einem verbalen Verständnis der hier beschriebenen „Tableaus“ helfen auch ihre Titel nicht weiter: sie bestehen aus zufällig generierten vierstelligen Zahlenfolgen.

 

Jörg Sasse 4251, 1994, (c) VG BILD-KUNST Bonn, 2013

Urlaubsfotos als Kunstwerk – 1995 hat Jörg Sasse auf Einladung der DZ BANK ein Kunstprojekt mit Mitarbeitern durchgeführt. Er bat sie um private Urlaubfotos, von denen er eine Auswahl digital bearbeitete und damit eigenständige künstlerische Bilder schuf. „Ich war damals ohnehin auf der Suche nach Fotografien, die ich für meine Arbeit verwenden könnte“, erläutert Jörg Sasse das Projekt. „Da kamen mir die Urlaubsfotos der Mitarbeiter gerade recht.“ Dreiviertel der 17 Fotografien, die im Rahmen des Mitarbeiterprojekts entstanden sind, nahmen als eigenständige Arbeiten Einzug in das Werk des Künstlers.

 

JÖRG SASSE: ARBEITEN AM BILD

30. August bis 9. November 2013

ART FOYER der DZ BANK

Eingang: Cityhaus I, Friedrich-Ebert-Anlage

Platz der Republik, 60265 Frankfurt (Main)

www.dzbank-kunstsammlung.de

Di-Sa 11-19 Uhr

Aus einer Auswahl von 52 Arbeiten aus dem Sammlungsbestand, die zwischen 1994 und 2013 erworben wurden, hat der ehemalige Meisterschüler von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie seine eigene Ausstellung zusammengestellt, die unter dem Titel „JÖRG SASSE: ARBEITEN AM BILD“ im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main vom 30. August bis 9. November 2013 zu sehen sein wird.

Bekannt wurde der 1962 in Bad Salzuflen geborene Künstler Anfang der neunziger Jahre mit analog fotografierten Arbeiten von öffentlichen und privaten Interieurs, zum Beispiel in Schaufenstern und Wohnungen von Freunden. Durch kurze Distanz zu Objekten oder  architektonische Details entstanden reduzierte, fast abstrakte Kompositionen.

Jörg Sasse lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten werden in internationalen Museen und Ausstellungen gezeigt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. 2003 wurde er mit dem Cologne Fine Art-Preis für seine herausragende künstlerische Position gewürdigt.

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