Gulliver Theis

Lexi von Gulliver Theis

Mein Interesse an der Beobachtung von Dingen, insbesondere der Natur, begann bereits in meiner Kindheit. Wie mir meine Eltern erzählten, konnte ich stundenlang im Gras sitzen und Bienen und Käfern bei ihrem Treiben zusehen. Mit 14 erbte ich das komplette Kameraset meines Großvaters. Aber die Kodak Retina III aus den 60er Jahren lag ein Jahr lang herum und ich wusste nicht, was ich mit ihr machen sollte. Irgendwann beschloss ich, es auszuprobieren, und schon nach sechs Monaten leitete ich eine außerschulische Fotogruppe, die im Schwarzweißlabor arbeitete.

Das führte dazu, dass ich mein eigenes S/W-Labor in einem winzigen Raum hinter unserem Badezimmer zu Hause einrichtete und mein erstes Studioblitzgerät kaufte. Obwohl ich in einer Provinzstadt in Freiburg im Breisgau, nahe der schweizerisch-französischen Grenze, aufwuchs, war mein Schicksal vorbestimmt. Mit meinem wachsenden Interesse an der Fotografie blätterte ich durch alle Bücher in unserem örtlichen Laden und entdeckte Namen wie Ansel Adams, Peter Lindbergh, Helmuth Newton und Steve Mc Curry. Als sich mein Handwerk entwickelte, wurde ich mutig genug, um an Fotowettbewerben teilzunehmen. Kurz nach meinem Schulabschluss gewann ich einen Preis beim Deutschen Jugendfotowettbewerb, was zu einer Einladung zu einem Wochenende in Berlin mit Fotoworkshops und Meisterkursen führte. Die Bilder, die ich dort sah, schockierten mich, denn sie waren meilenweit von den Dingen entfernt, die ich bisher gesehen hatte. Es war ein Moment des Erwachens, mit all diesen verschiedenen Ansätzen der Kunstfotografie von Robert Frank bis Bechers konfrontiert zu werden.

Von nun an beschloss ich, mich der Kunst zuzuwenden, und mein erster Schritt war, mich an der Schule für Gestaltung in Basel zu bewerben. Während meines Vorbereitungsjahres wurden wir in allen kreativen Fächern unterrichtet, außer in Fotografie, und um diese Lücke zu füllen, machte ich ein Praktikum in einem Studio für Werbefotografie in Freiburg. Basel war eine großartige Erfahrung, aber ich entschied mich, meine Hauptausbildung an der HAW Hamburg mit dem Schwerpunkt Kommunikationsdesign zu machen. Nach meinem Vordiplom beschloss ich, ein Jahr Pause zu machen und nach New York zu gehen, um meiner Leidenschaft für die Fotografie nachzugehen. New York als Mekka der Straßenfotografie hatte es mir angetan und da ich schon einmal dort war, beschloss ich, ein halbes Jahr lang am International Center of Photography in Manhattan zu studieren.

Nach den Erfahrungen in New York und meiner Rückkehr zum Studium nach Hamburg sah alles düster für mich aus. Die Dinge änderten sich nach meinem Abschluss im Jahr 2000, als meine Karriere mit der Aufnahme in den Dienstplan von Bransch, einer sehr einflussreichen Fotografenvertretung, begann. Von da an wurde meine Werbekarriere angekurbelt. Durch mein Interesse an der Welt und am Reisen wurde mein Fotostil scharf, knackig und gut komponiert. Meine persönliche Ikone war die britische Zeitschrift Wallpaper, mit der ich schon bald zusammenarbeitete und erstaunliche Aufträge erhielt, die meinen Stil weiter entwickelten.

Es folgten verschiedene Werbekampagnen, bei denen ich Autos, Menschen und Mode fotografierte. Mitte der 2000er Jahre begann ich auf dem russischen Markt zu arbeiten und erhielt viel Unterstützung für meinen frischen Stil, aber mit der Zeit spürte ich, dass ich mein Handwerk visuell neu erfinden musste.

Nach der Finanzkrise von 2008 änderte sich die Welt und ich auch. 2012 verließ ich BRANSCH und entwickelte mich zu einem warmherzigeren, realistischeren redaktionellen Fotografen in den Bereichen Reise, Reportage und Food. Mit den redaktionellen Aufträgen lief es gut, aber der Aufstieg der sozialen Medien brachte neue Herausforderungen mit sich. Kehren wir zurück in die Zukunft.

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