Die Nominierten für den Merck-Preis 2016 stehen fest

Nominierungen für den Merck-Preis 2016

9. Darmstädter Tage der Fotografie | 22. bis 24. April 2016

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Nominierungen für den Merck-Preis 2016

Merck-Preis Trophäe für die Gewinnerin oder den Gewinner des 6. Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie

Nominierungen für den Merck-Preis 2016Michel Le Belhomme, The Two Labyrinths # 7, aus der Serie The Two Labyrinths, 2014 bis heute
© Michel Le Belhomme  Im neunten Jahr der Darmstädter Tage der Fotografie wird unter den Ausstellern des Rahmenprogramms nunmehr zum sechsten Mal der Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie vergeben. Aus 310 Einsendungen hat die Jury für das Rahmenprogramm der kommenden Darmstädter Tage der Fotografie insgesamt 34 Arbeiten ausgewählt. Das Thema “Projektion – Fotografische Behauptungen” wurde im Wettbewerb in großer Vielfalt bearbeitet. Die Auswahl ermöglicht eine spannende Erweiterung der Positionen des Hauptprogramms. Die Jury bestand aus den Initiatoren und Vorsitzenden der Darmstädter Tage der Fotografie, Alexandra Lechner, Albrecht Haag, Gregor Schuster und Rüdiger Dunker sowie der Kuratorin Ute Noll von “on-photography.com” und Prof. Dr. Kris Scholz von der h_da (Hochschule Darmstadt).

Der Merck-Preis
Aus der Auswahl für das Rahmenprogramm wurden drei Arbeiten für den Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie nominiert. Dieser wird von dem Darmstädter Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck gestiftet und in diesem Jahr zum sechsten Mal vergeben. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. Erst am Eröffnungstag – nach Beurteilung der gehängten Arbeiten – wird einer der drei Nominierten als Preisträger ermittelt und am Abend geehrt. Die Preisverleihung findet am 22. April 2016 im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe statt.  Nominierungen für den Merck-Preis 2016 Alexander Gehring, Medium, aus der Serie Messages from the Darkroom, analoger C-Print, 36 x 38,5 cm, 2011
© Alexander Gehring  Die Nominierten 2016Alexander Gehring, *1981, Berlin (D)
“Messages from the Darkroom”
Die Arbeit von Alexander Gehring bezieht sich auf das Magische, das der Fotografie zur Zeit seiner Erfindung anhaftete. Der Bildwerdungsprozess in der Dunkelkammer und das Erscheinen real existierender Dinge auf dem Papier waren Mitte des 19. Jahrhunderts schier unglaubliche und extraordinäre Phänomene. Und sie faszinieren bis heute. Diese Mystik und auch die Möglichkeit zur Manipulation von Fotografien machten sich damals Okkultisten wie der Münchner Arzt Albert von Schrenck-Notzing zu Nutze, indem sie vermeintlich übernatürliche Phänomene fotografierten und damit zu beweisen suchten. Ausgehend von diesen historischen Bildern hinterfragt Gehring mit rätselhaften, in rotes Licht getauchten Aufnahmen aus der Dunkelkammer den Wahrheitsanspruch, der dem Medium Fotografie bis heute innewohnt. Die Dunkelkammer wird zu einem Laboratorium, das zwischen transzendenten Erscheinungen und naturwissenschaftlich erklärbaren Vorgängen changiert.

Stephanie Gudra, *1981, Berlin (D)
“Mond”, “Scan”, “Light on Canvas”, “Von den Sternen stürzt alle Zeit herab”
Stephanie Gudras fotografisches Werk ist weitestgehend konzeptuell und medienreflexiv. Sie untersucht das Wesen der Fotografie, seine Bedingungen und Grenzen. Dabei fordert sie den Betrachter heraus, führt ihn geschickt in die Irre und stellt Behauptungen auf, die auf Eigenschaften des Mediums verweisen. In meist abstrakt wirkenden, teils kameralos entstandenen Fotografien hinterfragt sie beispielsweise das Verhältnis des Mediums zur Realität, die Autorenschaft im digitalen Zeitalter, das Verhältnis der Fotografie zur Malerei oder die Darstellungsmöglichkeit von Zeit und Raum. Gudras Bilder wirken geheimnisvoll und sind nicht leicht zu entschlüsseln. Ihr Kern offenbart sich oft erst nach intensiver Betrachtung. Doch dann führen sie auf den Grund medienphilosophischer Überlegungen und geben uns neue Denkanstöße für die Beschäftigung mit Fotografie.

Michel Le Belhomme, *1973, La Chapelle des Fougeretz (F)
“The Two Labyrinths”
Das Werk “The Two Labyrinths” des französischen Künstlers Michel Le Belhomme beschäftigt sich mit der Darstellung und Darstellbarkeit von Landschaft in der Fotografie. Klassische Fotografie präsentiert Landschaft meist als romantisches, sinnliches Sujet. Le Belhomme wagt eine neue Herangehensweise und stellt diesem traditionsreichen Motiv die Interpretation von Landschaft als offenes System von Zeit und Raum gegenüber. Er analysiert und erforscht die Formen und Strukturen einer Landschaft. Was macht sie aus? Welche Elemente braucht ein Bild, um als Landschaft erkennbar zu sein? Le Belhomme dekonstruiert, baut Körper und digitale Konstrukte, fotografiert Abbildungen von Abbildungen, wandelt von Deutlichkeit zu Abstraktion, mischt Dokumentation mit Fiktion. Übrig bleiben Bilder, die gerade noch Landschaft erkennen lassen. Es sind Hüllen von Landschaft, die eine eindeutige fotografische Darstellungsform zersplittern und in Frage stellen.  Nominierungen für den Merck-Preis 2016 Stephanie Gudra, Mond, Pigmentdruck auf Barytpapier, hinter Glas gerahmt, 28 x 28 cm, 2014
© Stephanie Gudra  Die Darmstädter Tage der Fotografie 2016
Zum neunten Mal finden vom 22. bis zum 24. April 2016 die Darmstädter Tage der Fotografie statt, die eine internationale Plattform für Experten, Künstler und Interessierte bieten. Das Festival hat sich in den letzten Jahren etabliert und profiliert. Es setzt Themen und zeigt dazu die unterschiedlichsten Sichtweisen und fotografischen Genres. Außerdem fördert es den interdisziplinären Diskurs durch ein eintägiges Symposium. Dort referieren Künstler, Kunsthistoriker, Wissenschaftler, Medienschaffende und Experten zum jeweiligen Thema.Die Hauptausstellung im Designhaus auf der Darmstädter Mathildenhöhe wird ergänzt durch 34 Fotoarbeiten aus dem Wettbewerb um den Merck-Preis, die in verschiedenen Museen, Galerien und temporären Ausstellungsorten zu sehen sein werden.Das gesamte Programm des Festivals sowie alle teilnehmenden Künstler werden im März auf der Website www.dtdf.de bekannt gegeben. Der zum Festival erscheinende Katalog ist ab dem 22. April 2016 verfügbar.Die 9. Darmstädter Tage der Fotografie werden gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Weitere Informationen: www.dtdf.de

DTDF Darmstädter Tage der Fotografie e.V.Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
T +49 (0)6151-271608
info@dtdf.de
www.dtdf.de

Deutsche Börse Photography Prize

Der Deutsche Börse Photography Prize ist eine internationale Auszeichnung für zeitgenössische Fotografie. Der mit 30.000 GBP dotierte Preis wird jedes Jahr an einen zeitgenössischen Fotokünstler beliebiger Nationalität vergeben, der im Vorjahr einen bedeutenden Beitrag zur Fotografie in Europa geleistet hat (in Form einer Ausstellung oder Publikation).

Der Photography Prize wurde 1996 von der Photographers’ Gallery ins Leben gerufen. Die Gruppe Deutsche Börse ist seit 2005 Titelsponsor des Deutsche Börse Photography Prize, der heute zu den renommiertesten internationalen Kunstpreisen zählt.

Deutsche Börse Photography Prize 2015

Am 28. Mai 2015 zeichnete die internationale Jury in der Photographers’ Gallery in London Mikhael Subotzky & Patrick Waterhouse mit dem Deutsche Börse Photography Prize 2015 aus. Als Finalisten des diesjährigen Preises waren ferner nominiert: Nikolai Bakharev, Zanele Muholi und Viviane Sassen.

Die Arbeiten der vier nominierten Künstler werden von 17. April bis 7. Juni 2015 in einer Ausstellung in der Photographer’s Gallery gezeigt und sind anschließend im Frankfurter MMK Museum für Moderne Kunst von 20. Juni bis 20. September zu sehen.

Die Jury

Die Kandidaten des Deutsche Börse Photography Prize werden von der „Academy“, einer Gruppe von über hundert internationalen Fotografieexperten, nominiert. Die Academy-Mitglieder benennen jeweils einen zeitgenössischen Fotografen beliebiger Nationalität. Eine jedes Jahr neu besetze, internationale Jury bestimmt vier der nominierten Fotografen zu Finalisten, aus denen sie später den Gewinner ermittelt.

Die Mitglieder der Deutsche Börse Photography Prize-Jury 2015 sind Chris Boot, Executive Director der Aperture Foundation; Rineke Dijkstra, Künstlerin; Peter Gorschlüter, stellvertretender Direktor des MMK Museums für Moderne Kunst und Anne Marie Beckmann, Kuratorin der Art Collection Deutsche Börse. Brett Rogers, die Direktorin der Photographers’ Gallery, führt den Vorsitz (ohne Stimmabgabe).

Die folgenden Künstler wurden nominiert:

Nikolai Bakharev (geb. 1946, Russland) für seine Ausstellung bei der 55. internationalen Kunstausstellung Biennale in Venedig (1. Juni – 24. November 2013). Bakharev absolvierte eine Ausbildung zum Mechaniker bevor er in den 1960er Jahren in einer Fabrik für kommunale Dienstleistungen als Fotograf tätig wurde. In Bakharev’s Portraits von Badenden an öffentlichen Stränden in Russland verschwimmen die Grenzen zwischen dem Öffentlichen und Privaten; so entsteht auf den Bildern eine Spannung zwischen absichtlich zusammengestellten und spontanen Gruppierungen. Die Bilder sind hauptsächlich in den 1980er Jahren entstanden, als die Aufnahme und Verbreitung von Nacktheit enthaltenden Fotos streng verboten war. Obwohl die Familien und Paare Badebekleidung tragen und scheinbar bereitwillig posieren, erscheinen seine Werke verstohlen und auf den Betrachter wie eine Täuschung. Sie vermitteln eine unterschwellige Erotik, der gezeigten verblümten Anständigkeit zum Trotz.

 

Abbildung: Nikolai Bakharev, Ausstellungsreihe „Relation“, №96. 1998-1999, © Nikolai Bakharev

Zanele Muholi (geb. 1972, Südafrika) für ihre Veröffentlichung Faces and Phases 2006 – 2014 (Steidl, 2014). Als selbsternannte „Visuelle Aktivistin“ gibt Zanele Muholi mit ihren Portraits in schwarz-weiß einen Einblick in die schwarze LGBTI-Identität und -Politik in Südafrika nach dem Ende der Apartheid. Mit ihrer stark konzeptionellen und persönlichen Herangehensweise reflektieren die Bilder mit den begleitenden Erfahrungsberichten aus erster Hand die Auswirkungen von Homophobie, Diskriminierung und Gewalt, insbesondere der „kurativen Vergewaltigung“ lesbischer schwarzer Frauen, die in zahlreichen Fällen zu Mord führt. Das fotografische Archiv von Muholi stellt eine bedeutsame Kraft der weiblichen Homosexuellenbewegung dar.

 

Abbildung: Zanele Muholi, Ausstellungsreihe „Faces and Phases“, Tumi Mkhuma Yeoville Johannesburg, 2007, © Zanele Muholi. Courtesy of Stevenson, Cape Town and Johannesburg

Viviane Sassen (geb. 1972 in den Niederlanden) für ihre Ausstellung Umbra im Nederlands Fotomuseum (8. März – 1. Juni 2014), welche abstrakte Fotografien, Zeichnungen und Lichtinstallationen umfasste, begleitet von speziell für die Ausstellung verfassten Gedichten der Künstlerin und Dichterin Maria Barnas. Sassen’s unverwechselbare und experimentelle Herangehensweise: der Bildvordergrund zeichnet sich aus durch lebhafte Farben neben starken Kontrasten von Licht und Schatten und erzeugt skulpturale Kompositionen, in denen Form und Inhalt an Abstraktion grenzen. Umbra, lateinisch für Schatten, enthält die charakteristischen Qualitäten von Sassen’s Arbeit: lebhafte Farben und tiefe Schatten, welche hier tiefere Sensibilitäten unterstützen, genährt vom Jungschen Verständnis des „Schattenselbst“, welches persönliche Ängste, Sehnsüchte und Scham erschließt und abstraktere Konzepte des Unbekannten sowie von Zeit und Tod zum Ausdruck bringt.

 

Abbildung: Viviane Sassen, Umbra, © Viviane Sassen

Mikhael Subotzky (geb. 1981, Südafrika) und Patrick Waterhouse (geb. 1981, Großbritannien) für ihre Veröffentlichung Ponte City (Steidl, 2014). Der 54-stöckige Wohnblock in Johannesburg wurde unter dem Apartheid-Regime im Jahr 1976 für weiße „Arrivierten“ erbaut. Während des politischen Reformprozesses in den 1980er und 90er Jahren wurde er zum Zufluchtsort für schwarze Neuankömmlinge in der Stadt sowie Einwanderer aus ganz Afrika, bevor Vernachlässigung und Verwahrlosung ihn zum Inbegriff von städtischem Verfall werden ließen und er als Epizentrum von Kriminalität, Prostitution und Drogenhandel gebrandmarkt wurde. In Zusammenarbeit mit den verbleibenden Bewohnern starteten Subotzky und Waterhouse ihr Projekt im Jahr 2007, nachdem ein Regenerationsprojekt fehlgeschlagen war. Entstanden ist ein intimes und tief bewegendes soziales Portrait einer Kultur, eines Bauwerkes und seiner Gemeinschaft von Bewohnern durch Fotografien, Bauplänen und anderem archivarischem und historischem Material. Zusätzlich vervollständigt eine Sequenz von 17 Broschüren mit Essays und persönlichen Geschichten die visuelle und räumliche Erzählung über dieses Wahrzeichen Johannesburgs.

 

Abbildung: Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse, Ponte City from Yeoville Ridge, 2008, © Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse